Suchtprävention Elternabend
Suchtvorbeugung – Elternabend für den Jahrgang 8 am 01.06.2010 (von Annette Gebhardt)
Frau Pohlmann, Fachstelle für Suchtprävention in Herford
Referentin zu den Suchtthemen: Rauchen, Alkohol und illegale Drogen
Herr Flegel, Medienzentrum Herford
Referent zum Thema: PC und Spielekonsolen
Rauchen: Frau Pohlmann berichtete, dass es einen Rückgang bei den Jugendlichen gibt. Es rauchen mehr Mädchen als Jungen, aber es ist anscheinend nicht mehr „in“ zu Rauchen. Dazu hat zweifelsfrei auch das 2006 in Kraft getretene Gesetz zum Nichtraucherschutz beigetragen, und auch, dass der Erwerb von Zigaretten am Automaten nur noch mit EC-Karte möglich ist.
Alkohol: Im Gegensatz zum Rauchen hat der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zugenommen. Hier wurde besonders das sogenannte „Koma-Saufen“ angesprochen (hochprozentiger Alkohol wird in kurzen Zeitabständen getrunken) und das „Vorglühen“ (man trifft sich vor dem Disco-Besuch, um Alkohol zu trinken). In den Medien wird häufig erwähnt, dass mehr Mädchen als Jungen nach Alkoholexzessen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Damit wird der Anschein erweckt, dass der Alkoholkonsum bei den Mädchen zunimmt. Tatsache ist aber, dass einerseits Mädchen weniger vertragen und anderseits Mädchen sich mehr um einander kümmern und eher den Notdienst alarmieren. Frau Pohlmann brachte dazu noch folgendes Beispiel: Wie handeln Passanten, wenn sie ein Mädchen oder einen Jungen auf der Straße liegen sehen? Bei einem Mädchen wird relativ schnell der Krankenwagen gerufen, während es bei den Jungen heißt, lasst ihn liegen und seinen Rausch ausschlafen. Wichtig ist, die Jungen zu sensibilisieren, sich in kritischen Situationen nicht allein zurück zu lassen.
Eltern sollten sich auch ihrer Vorbildfunktion zum Alkoholgebrauch bewusst sein. Schon ein bedenkenloser Umgang mit Alkohol wie das obligatorische Bier beim Grillen oder das Glas Wein zum Essen könnte nach Aussage von Frau Pohlmann ein Grundstein zur Suchtgefahr sein. Wichtig ist es, mit seinen Kindern über die Gefahren des Missbrauchs von Alkohol zu reden.
Kinder dürfen zwar im Beisein von Erziehungsberechtigten schon ab 14 Jahren Alkohol trinken, sollten dazu aber nicht animiert werden.
Illegale Drogen: Im Gegensatz zum Thema Alkohol haben die meisten Eltern keinen Schimmer von der Szenesprache die unter Jugendlichen gebräuchlich ist, wenn sie illegale Drogen konsumieren. Das machte Frau Pohlmann den anwesenden Eltern klar, als sie ein Blatt mit den gebräuchlichsten Szeneworten mit der Bitte verteilte, diese zu erklären. Kaum jemand konnte sich unter „Blech rauchen“, „Pumpe“, oder „Speed“ etwas vorstellen. Leider ist der Drogenkonsum von Jugendlichen für Eltern nicht einfach zu erkennen (Hinweise). Nicht selten kann es bei konsumierenden Jugendlichen zu psychischen Erkrankungen kommen.
Um Gefahren vorzubeugen, ist es wichtig, Kinder zu stärken, ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und ihr Vertrauen zu erlangen. Auch darf man sich nicht scheuen, bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Spielsucht: Herr Flegel begann seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass der Umgang mit Medien heute einem starken Wandel unterliegt. Auch wenn fast alle Kinder heute ein Handy haben wird oft der Computer zum Verabreden genutzt.
Wichtige Informationen waren:
Grenzen setzen:
1.) Ein altersabhängiges Zeitlimit für die Computerspiele vorgeben. Dieses muss kontrolliert werden und hat Konsequenzen bei Nichteinhaltung, denn: Eltern, die nicht kontrollieren, müssen sich nicht wundern, wenn sie die Kontrolle verlieren.
2.) Kindern keine Spiele erlauben, die nicht für ihre Altersklasse freigegeben sind. Auch wenn dies in anderen Familien geduldet und dadurch verharmlost wird. Viele Kriegsspiele sind z. B. erst ab 18 Jahren freigegeben.
Aber auch Verständnis zeigen:
3.) Eltern sollten sich für die Spiele interessieren und wenn möglich auch mal mitspielen bzw. sich das Spiel erklären lassen.
4.) Eventuell Internetfilter auf dem Computer installieren.
Mit den beiden Referenten konnten kompetente Fachleute gewonnen werden. Beide Vorträge waren wenig theoretisch, sondern mit vielen Praxisbeispielen aus dem beruflichen und privaten Umfeld der Referenten anschaulich gestaltet. Es entstand eine angeregte Diskussion, bei der sich auch Eltern als Computerspieler „outeten“.
Es war eine Vielzahl kostenloser Merkblätter ausgelegt, mit Aussagen zu Signalen bzw. Verhaltensweisen bei Drogenkonsum. Zu dem Thema Spielsucht gab es Informationsmaterial u. a. mit Linkadressen zur Hilfe bei Onlinespielsucht.
Linkadressen zum Thema "Internet- und Onlinespielesucht":
Medienkompetenz: www.klicksafe.de/ www.internet-abc.de/kinder/ http://schau-hin.info/ www.lfm-nrw.de/
Spiele: www.spieleratgeber-nrw.de/ www.bundespruefstelle.de www.spielbar.de/neu/ http://jugendnetz-berlin.de www.bundespruefstelle.de
Onlinesucht: www.onlinesucht.de/ www.drogenberatung-herford.de www.diakonie-herford.de/ffs/ffs.htm www.rollenspielsucht.de
Signale, Verhaltensweisen die auf Drogenkonsum hinweisen könnten:
Äußere Verdachtsmomente wie:
- Vernachlässigung der Körperpflege
- ein bestimmtes "Outfit" über Kleidung
- tragen bestimmter Symbole
- ein immenser Geldbedarf
- ein hohes Maß an Unzuverlässigkeit (häufiges zuspät kommen, Absprachen nicht einhalten..)
- Fixierung nur auf Freizeit und wenig Interesse an beruflicher Ausbildung
- Auffinden von Rauchgeräten und Konsumutensilien
- hoher Krankenstand
- Verlust der Fahrerlaubnis
Veränderungen im Verhalten wie:
- Die Schul- und Arbeitsleistungen sind auf allen Gebieten ab
- Der Freundeskreis wird plötzlich aufgegeben und wechselt häufig
- Rückzug in die Isolation
- Nachlassen von beruflichen Interessen, Hobbys werden aufgegeben bis hin zur Teilnahmslosigkeit
- Schul- und Arbeitsabbruch mit völliger Resignation
- Jugendliche ohne Perspektive und Aktivität für die Zukunft "herumgammeln"
- Stimmungsschwankungen (aggressiv, teilnahmslos)
- einnicken
Körperliche Signale:
- Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
- Magenprobleme
- Einschlafschwierigkeiten bzw. Schlaflosigkeit
- Hohe Anfälligkeit für Infektionskrankheiten (z.B. der Harnwege)
- Hyperaktivität, ein immenser Bewegungsdrang, große Unruhe, hohes Mitteilungsbedürfnis
- oder das Gegenteil, wie ein Trancezustand
- Gerötete Augen, geweitete Pupillen, stecknadelgroße Pupillen, Händezittern oder Schweißausbrüche
Veränderungen im direkten Umgang:
- Häufige Stimmungsschwankungen
- Gefühlskälte
- Depressive Gedanken
- Abbruch oder Rückzug aus der Kommunikation
Merke: Genannte Auffälligkeiten sind isoliert zu betrachten, wenig aussagekräftig und sollten daher nicht überbewertet werden!